Ein Schriftentwurf für kleine Grade
Präsentiert wird die Schrift zum ersten mal am 15.Juli 2004 um 15.45 Uhr MEZ an der Schule für Gestaltung in Ravensburg. Neben einem langem Banner, auf dem die Entwicklung der Schrift aufgezeichnet ist, stehen dem Betrachter unterschiedlichstes Anschauungsmaterialien zur Verfügung. So wird die formica beispielsweise im Vergleich mit anderen Schriften auf Ihre Funktion hin überprüft, die Robustheit der Schrift demonstriert und der Font in der Anwendung gezeigt.
Die vergrößerte Ansicht der offset-gedruckten 3.5 Punkt formica zeigt, wie sich die Druckfarbe an den Stellen sammelt, an denen sich Linien treffen oder kreuzen. Die starken Einstiche verschwinden fast vollständig und es wird klar, warum die Innenräume der Buchstaben so groß gehalten sind.

Die Helvetica bestätigt die Annahme, dass sich die Buchstaben im Druck weiter schließen und die Punzen sich zunehmend verengen. All dies führt zu einem konstrastarmen Wortbild und damit zu schlechter Lesbarkeit.
tests Die <formica> wurde gemeinsam mit einer <Helvetica> in 3,5 pt. Schriftgröße auf einer Offset-Druckmaschine gedruckt und anschließend vergrößert.
Jedes Kapitel der Broschüre beginnt mit einer Frage, die sich während des Gestaltungsprozeßes gestellt hat. Die Folgeseiten versuchen dies zu beantworten. Die letzte Seite gibt dem Betrachter eine Erklärung und hilft ihm sich eine eigenen Meinung zu bilden. Durch die Broschüre und die gesamte Präsentation führt ein Informationselement, das dem Betrachter die Möglichkeit gibt, sich zu informieren, was er gerade sieht. Dafür wird der Name der Schrift mit der jeweiligen Anwendung oder dem vorliegenden Test verbunden. Dieser Signetcharakter navigiert den Betrachter durch die Präsentation.
Die Broschüre <Robustheit> testet die Schrift im Grenzbereich und in verschiedenen Druckarten. Die formica wurde einem Härtetest unterzogen, sie wurde kopiert, gefaxt und u.a. auf einem Tintenstrahler ausgegeben.
Die Schrift ist in einer Größe von 5pt. zwar nicht für einen Stempel geeignet. Der Versuch zeigt jedoch an welchen Stellen sich bei einem schlechten Druck die Farbe am schnellsten sammelt und die Gefahr des Verklumpens am größten ist.
Der Stempel auf buntem und grauen Papier zeigt das Verhalten der Schrift auf farbigem bzw. unbuntem Grund und simuliert bei nicht idealem Farbauftrag ein schlechtes Druckbild.
Die Broschüre ist gleich aufgebaut wie die Broschüre „Robustheit”. Sie versucht z.B. die Frage zu beantworten, welche Proportion optimal, welche Strichstärke am funktionalsten ist oder inwieweit die Laufweite die Lesbarkeit beeinflusst.
Die Broschüre <Schrift- und Wortbild> vergleicht die formica mit anderen Schriften und gibt Antworten auf unterschiedliche Gestaltungsansätze.
Jeder Buchstabe hat aufgrund seiner Form, seiner Menge an verdecktem Papier, eine unterschiedliche Grauwirkung. Eine Schrift in unterschiedlichen Sprachen zu setzen bedeutet auf dem Papier einen unterschiedlichen Grauwert zu hinterlassen, da die verschiedenen Sprachen bestimmte Buchstaben unterschiedlich häufig verwenden.

Im Deutschen ist bespielsweise das kleine e der am häufigsten verwendete Buchstabe. Ein Grund, warum bei seiner Gestaltung der horizontale Strich nicht zu dominant gestaltet werden sollte, da das Schriftbild sonst fleckig erscheinen könnte.
Für den Grauwertvergleich steht eine kleine Ameisengeschichte zu Verfügung, die in unterschiedliche Sprachen übersetzt wurde.
Die Medikamentenpackung beinhaltet einen hangefalteten (!) Beipackzettel, auf dem die Entwicklung der Schrift vom ersten Strich bis zum fertigen Alphabet abgebildet ist. Die neun perforierten Alphabetkärtchen ermöglichen es die Buchstaben getrennt voneinander zu berurteilen.
anwendung Die Schrift wurde (außer für kleine Grade) für kein spezielles Einsatzgebiet entworfen. Als typisches Anwendungsbeispiel wurde eine Art Medikamenten-Verpackung mit zugehörigem Beipackzettel gewählt.
Die Scribble-Bücher begleiten den gesamten Entstehungsprozess der Schrift. Zeichnungen und notierte Gedanken zeigen eine sehr persönliche Stoffsammlung zum Thema.
tagebuch Während des gesammten Gestaltungsprozeßes wurden Aufzeichnungen in einer Art Tagebuchstil geführt. Die gesammelten Aufzeichnungen und Notizen zeigen die Entwicklung der formica vom ersten Strich bis hin zum fertigen Font.